Prof. Dr. Kristian Reich

Dermatologikum Berlin

Kurzbeschreibung Vortrag
"Psoriasis als Modell – Konzept für ein neues Verständnis kutaner Entzündungsreaktionen"

(2 CME bei Anwesenheit in beiden Abschlussvorträgen):

Eine Vielzahl kutaner Entzündungsreaktionen wird in der Dermatologie weiterhin nur deskriptiv erfasst, zum Beispiel als erythematosquamöse oder papulonodöse Erkrankung. Nicht zuletzt aus der Erforschung der Psoriasis lässt sich ein Entzündungsmodell mit 4 Ebenen ableiten: a) ein histolo-gisches Muster (z. Bsp. psoriasiform oder lichenoid oder ekzematös),
b) ein zelluläres Muster (z. Bsp. T-Zellen, Neutrophile), c) eine dominante Aktivierung von Signaltransduktionswegen (z. Bsp. PDE4, STAT3) und schließlich d) dominante Zytokinmuster (z. Bsp. IL-13, TNF, IL-17, IL-22, IL-23). Für die Psoriasis lassen sich diese 4 Ebenen ausreichend gut beschreiben, bei anderen Erkrankungen, wie der atopischen Dermatitis, werden aktuell große Fortschritte erzielt. Das Modell ist geeignet die gute Wirksamkeit von bestimmten zielgerichteten Therapien bei entzündlichen Dermatosen zu erklären (z. Bsp. Inhibitoren von TNF, IL-17, IL-23 bei Psoriasis; Inhibitoren von IL-13 bei atopischer Dermatitis) oder auch solcher Therapien die auf der Ebene der Signaltransduktion angreifen (z. Bsp. Apremilast, Jak-Inhibitoren, RORγt-Inhibitoren). Dabei besteht eine wechsel-seitige Beziehung zwischen dem zunehmend besseren Verständnis des Entzündungsprofils einzelner Dermatosen und der Entwicklung immer besserer Wirkstoffe. Die Speerspitze in diesem Prozess ist dabei derzeit weiterhin die Schuppenflechte; mit Inhibitoren von IL-17A oder IL-23 lässt sich bei 7 bis 8 von 10 behandelten Patienten eine weitgehende Erschein-ungsfreiheit erreichen. Aber auch bei der Auswahl möglicher Therapien von Erkrankungen wie Lichen ruber oder Pityriasis rubra pilaris lässt sich mit dem neuen Entzündungsmodell eine gute Annäherung erzielen.

 

Vita:

Prof. Dr. med. Kristian Reich, geboren 1965, ist außerplanmäßiger Professor für Dermatologie an der Georg-August-Universität Göttingen und seit 2013 Gründungspartner des Dermatologikum Berlin. Von 2005 bis 2015 war er geschäftsführender Partner am Dermatologikum Hamburg. 2005 gründete Professor Reich das Forschungsinstitut SCIderm und 2015 das Skinflammation® Center für entzündliche Hauterkrankungen. Die wissen-schaftlichen und klinischen Interessensschwerpunkte des Dermatologen und Allergologen liegen auf dem Gebiet der Autoimmunerkrankungen, Allergien, Neurodermitis, Psoriasis und verwandter Erkrankungen.

Reich studierte Neue Deutsche Literatur, Philosophie und Humanmedizin in Freiburg und München und arbeitete als Assistenzarzt am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe von PD Dr. Kai Deusch war er beteiligt an Programmen zur Erforschung der T-Zell Aktivierung und Entwicklung neuer anti-entzündlicher Therapien in Kooperation mit dem Department of Cancer Immunology and Aids, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston und dem Cedars-Sinai Medical Center, Los Angeles. Reich beendete seine Doktor- arbeit auf dem Gebiet der Schleimhautimmunologie mit summa cum laude 1995 in München und seine Habilitation zu Entzündungsmechanismen der Haut bei Frau Professor Christine Neumann an der Hautklinik der Georg-August-Universität in Göttingen. 2003 wurde er dort zum Universitäts-professor und stellvertretenden Klinikdirektor berufen.

Seine Forschungsschwerpunkte sind genetische und immunologische Mechanismen kutaner Entzündungen und maligner Erkrankungen und die Entwicklung neuer Therapien für entzündliche Erkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis. Er veröffentlichte mehr als 300 wissenschaftliche Artikel in internationalen Fachjournalen, darunter The Lancet, New England Journal of Medicine, Journal of Immunology und dem Journal of Allergy and Clinical Immunology. Prof. Reich ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des deutschen Psoriasis-Registers PsoBest and Mitglied der Deutschen und Europäischen Leitliniengruppe für die Therapie der Psoriasis.

Prof. Reich erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise und Auszeichnungen darunter den Herbert-Herxheimer Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Allergologie (2003), die R.K. Schachter Lectureship (2012) und den Stars of the Academy Award der American Academy of Dermatology (2016).

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